21.03.2018

Fans für Erhalt von 50+1-Regel

Die Angst vor dem Investor

frei

In Fankreisen wird ebenfalls heiß über die 50+1-Regel diskutiert. Die Tendenz ist dabei klar pro 50+1, denn Negativbeispiele wie 1860 München lassen mit Blick auf Investorenklubs Schlimmes befürchten.

Die Werderfreunde Emsland Süd sind ein ausgesprochen aktiver Fanklub. Die Mitglieder fahren zusammen ins Weserstadion, spielen Darts, kegeln und diskutieren regelmäßig über Themen rund um den Fußball. Ende vergangenen Jahres war Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald etwa Gast einer Podiumsdiskussion der Werderfreunde zum Thema „Profi(t)fußball“. Dabei ging es unter anderem um die 50+1-Regel, die aktuell die Meinungen spaltet – auch bei den Werderfreunden. „Wir haben fast 300 Mitglieder. Da gibt es natürlich Stimmen, die die Regel abschaffen wollen, damit die Bundesliga international konkurrenzfähig bleibt“, sagt Fanklub-Präsident Ingo Lüttecke. Die klare Mehrheit halte 50+1 aber für sehr sinnvoll.

Also entschied sich der Vorstand des Fanklubs dafür, die Online-Erklärung für den Erhalt der Regel zu unterzeichnen (50plus1bleibt.de). Damit gehören die Werderfans aus dem Emsland zu rund 3000 Fanklubs, Fangruppierungen und Fanverbänden, die mitmachen. Darunter waren bis Mittwochnachmittag 65 Werder-Fanklubs.

Vereinsidentität soll nicht zum Verkauf stehen

Mehrere Bremer Ultragruppen wie die „Wanderers“ oder „L‘Intesa Verde“ finden sich in der Liste. Die Ultras setzen sich schon länger für die 50+1-Regel ein. Bevor das Thema bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf der Agenda steht, beziehen nun aber noch mehr Werder-Anhänger klar Stellung. „Wir wollen nicht, dass ein Investor die Mehrheit der Vereinsanteile übernimmt, dem Werders Identität egal ist und der nur an sein Kapital denkt“, betont Lüttecke. Anstatt die 50+1-Regel abzuschaffen, müsse sie sogar verschärft werden. „Man sollte die Ausnahmeregelungen für Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim aufheben“, fordert er.

Holger Busch, der Vorsitzende des Werder-Fanklubs „Sturmmöven“ aus Bremen-Oslebshausen, spricht sich ebenfalls klar für 50+1 aus. „Es wäre eine Katastrophe, wenn ein Scheich plötzlich die Geschicke des Vereins führt, der gar nicht an die Fans denkt“, findet er. „Bei 1860 München hat man gesehen, was passieren kann.“ Für ihn war sofort klar, dass sein Fanklub die Online-Erklärung unterstützt. Eine Abschaffung der 50+1-Regel wäre aus seiner Sicht ein weiterer Schritt zur Kommerzialisierung des Fußballs. „Für eine Familie mit zwei Kindern ist es doch jetzt schon schwierig, einen Stadionbesuch zu finanzieren“, sagt Busch.