03.04.2018

Hintergründe zur Kohfeldt-Verlängerung

Millionengehalt und andere Angebote

nordphoto

Florian Kohfeldt bleibt bei Werder, obwohl er andere Angebote hatte. Dabei spielt sein neues Gehalt eine untergeordnete Rolle - der Trainer hat mit Werder große und langfristige Pläne.

Fußball ist ein geiler Sport, aber es gibt natürlich noch etwas anderes. Tennis, zum Beispiel. Nach Möglichkeit einmal die Woche spielt Florian Kohfeldt Tennis, in einem kleinen Verein auf der anderen Seite der Weser. Mit denselben Kumpels, die ihm dabei schon zu Studententagen am Netz gegenüberstanden. Danach geht's an den Getränkeautomaten, der in der Halle steht und so schön kaltes Bier ausspuckt. Es ist ein Ritual mit Freunden, das gepflegt wird.

2013 hat Kohfeldt an der Bremer Universität sein Studium der Sport- und Gesundheitswissenschaften beendet, das gemeinsame Tennisspielen gibt es immer noch. Kohfeldt, der in Delmenhorst aufwuchs und sein Abitur machte, wohnt noch immer im selben Bremer Stadtviertel, in dem er schon als Student wohnte. Und jetzt soll der Bremer Werder wieder zu dem machen, was der Klub lange war, aber schon lange nicht mehr ist: Einem Vorzeigeverein der Bundesliga. Einem mit klarer Identität, einem, mit dem sich viele Menschen identifizieren und solidarisieren.

Um diesen Auftrag zu erfüllen, hat Werder den Vertrag des Trainers um drei Jahre, bis zum 30. Juni 2021, verlängert. Die Verträge der Mitglieder seines Trainer-Teams, Tim Borowski und Thomas Horsch, wurden ebenfalls verlängert. "Florian hat mit seiner kommunikativen, transparenten und kritisch-konstruktiven Art großen Anteil am Entwicklungsprozess unserer Mannschaft", sagt Frank Baumann. Die Handschrift des Trainers sei deutlich zu erkennen: "Er hat das Team mit klaren Vorstellungen und einer erkennbaren Philosophie aus einer schwierigen Situation herausgeführt. Wir sind davon überzeugt, dass er mit seinem Trainerteam in Zukunft diesen positiven Weg fortführen wird."

Man könnte sagen, Werder ist wie Florian Kohfeldt: Bodenständig, heimatverbunden, sympathisch. Nicht ganz, sagt einer, der bei Werder eng mit Kohfeldt zusammenarbeitet und Klub und Trainer hintergründig beurteilen kann. Kohfeldt sei, wie Werder gerne wäre: Zielstrebig, klar im Denken und Handeln, empathisch, und natürlich erfolgsorientiert.

Eine erstaunliche Aussage, die den jungen Trainer zu einem Rollenvorbild für den Verein macht: Kohfeldt ist, wie Werder gerne wäre. Nach gerade mal 18 Bundesligaspielen genießt Kohfeldt bei Werder eine Form des Vertrauens, wie es das für einen Trainer seit den großen Zeiten Thomas Schaafs nicht mehr gegeben hat.

Ernsthafte Konkurrenz für Werder

Entsprechend zufrieden ist Kohfeldt mit seinem neuen Arbeitspapier. "Ich empfinde diese Entscheidung als hohe Wertschätzung meinem gesamten Trainerteam gegenüber und freue mich, dass wir auch in den kommenden Jahren die Zukunft des SV Werder Bremen mitgestalten können", wird er in der Pressemitteilung des Vereins zitiert. Und dort gibt es noch viele Möglichkeiten: "Die vergangenen Monate haben mich in der Ansicht bestärkt, dass in der Mannschaft das Potential steckt, die positive Entwicklung fortzusetzen. Wir wollen gemeinsam eine Kultur in dieser Mannschaft und in dem Verein festigen, zu jeder Zeit auf hohem Niveau das Beste aus uns herauszuholen."

Der Zeitpunkt der Bekanntgabe überrascht, bei der letzten Vertragsverlängerung kurz vor Weihnachten kolportierte der Klub noch, Kohfeldt sei mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet. Was einerseits stimmte, da Kohfeldt aus seinen Zeiten als Trainer im U-Bereich einen unbefristeten Vertrag besaß. Andererseits stimmte es nicht, sein Kontrakt für die Bundesliga galt nur für die laufende Saison. Im Sommer hätte Kohfeldt also problemlos wechseln können - dafür hätte eine fristgerechte Kündigung des unbefristeten Vertrages gereicht.

Werder war das wohl bewusst. Noch stärker beschleunigt haben dürfte die Verhandlungen, dass es ernsthafte Konkurrenz gab. Nach Informationen von MEIN WERDER waren es zwei Bundesligisten, die starkes Interesse signalisiert haben. Und es gibt weitere Klubs, die hinterlegt haben, die Entwicklung Kohfeldts sehr genau zu beobachten. Einen Markt für ihn gibt es, Werder war über das Interesse der anderen Klubs informiert. Aber Kohfeldt hat sehr schnell klar gemacht, dass ihn etwas anderes als Werder derzeit nicht interessiert. Werder ist sein Herzensklub, Bremen seine Stadt.

Kohfeldt geht es nicht ums Geld

Entsprechend einfach sind die Verhandlungen zwischen Frank Baumann, Klaus Filbry und Kohfeldts Berater Marc Kosicke abgelaufen. Nur ein einziges Treffen war notwendig, um Einigung zu erzielen. Was zeigt, dass der Wunsch zueinanderzufinden auf beiden Seiten groß war.

Seine Vorgänger Viktor Skripnik und Alexander Nouri bekamen bei den Verlängerungen jeweils nur Zwei-Jahres-Verträge, Kohfeldt bekommt drei. Und auch im Gehalt ist er teurer als seine Vorgänger. Skripnik und Nouri haben etwa 750 000 Euro pro Jahr kassiert. Kohfeldt bekommt nach Informationen von MEIN WERDER eine Million. Zuzüglich Prämien kann das Salär auf bis zu 1,2 Millionen steigen.

Kohfeldt, ist aus Kreisen des Vereins zu hören, sei es aber nicht in erster Linie um Geld gegangen. Das verrät der Satz, der in der Pressemitteilung enthalten ist: "Wir wollen gemeinsam eine Kultur in dieser Mannschaft und in dem Verein festigen, zu jeder Zeit auf hohem Niveau das Beste aus uns herauszuholen." Kohfeldt geht es um langfristige strukturelle Veränderungen, die er gemeinsam mit Frank Baumann einleiten und umsetzen will. Dazu gehört auch, einen Technischen Direktor zu installieren. Es dürfte aber längst nicht die letzte Veränderung sein, um Werder besser zu machen.

Eine Umfrage zu der Verlängerung mit Florian Kohfeldt: